Wenn ich an Grado denke, dann assoziiere ich das zuallererst mit Sommerurlaub, mit einem übervollen Strand, an dem sich hunderte Touristen die Sonne aufs Bäuchlein scheinen lassen, einer milden Meeresbrise, die mir durchs Haar weht, mit einer Fülle an Restaurants auf der Piazza Duca d’Aosta und entlang der Via Gradenigo, die mit ihren Pasta-, Pizza- und Fischspezialitäten locken, einer bezaubernden Altstadt, durch die so viele Touristen schlendern, dass du die wunderschönen Bauten gar nicht richtig wahrnehmen kannst und Hotels in allen Preisklassen, die zum Teil noch immer dem längst verblassten Charme der K&K–Zeit nachhängen.

Diese Woche habe ich Grado von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Mein Liebster hat mich mit der Idee überrascht, einen Winterkurzurlaub in Grado zu verbringen. Die Begeisterung meinerseits hielt sich ja anfangs in Grenzen, aber ich habe meine Meinung revidiert.

Es war ein wunderbar angenehmer und richtig entschleunigender Urlaub. Wir haben Ecken im beinahe touristenfreien Grado entdeckt, in die wir bisher nicht vorgedrungen waren, haben uns bei stundenlangen Spaziergängen am menschenleeren Strand eine steife Brise um die Nase wehen lassen und uns bei einer heißen Chocolata in einer der Cafeterias, die zum Glück fast alle offen haben, aufgewärmt. Abends sind wir durch die Gassen gezogen, um ein offenes Lokal zu finden und haben es uns bei Pizza, Pasta und Fisch gut gehen lassen und auch für den täglichen Absacker war gleich eine nette Enoteca entdeckt. Da auch das eine oder andere Geschäft geöffnet hatte, kam auch das Einkaufen nicht zu kurz. Herz was willst du mehr?

Die Heimfahrt über Triest hat mich schließlich auch noch davon überzeugt, dass die Hafenstadt mit ihren prächtigen Bauten gar nicht so trist ist, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Ich bin also bekehrt: Grado im Winter kann ich euch wirklich ans Herz legen, oder sollte ich es lieber doch als Geheimtipp für mich behalten?

Alles Liebe!
Christine

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